QTI 2021: COVID-19 erhöht Risiko der Leistungsablehnung

Ausgangssituation BU vor QTI 2021

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) steht – trotz inflationärer Vergabe von Höchstbewertungen für die Produktqualität durch Ratingagenturen – aufgrund der nur ca. 25 %igen Abdeckung in der Bevölkerung unverändert im Fokus.

Die operativen Herausforderungen für potentielle oder bereits Versicherte und Vermittler liegen im Kern unternehmensübergreifend bei

  • dem Risiko, durch die unspezifizierten und interpretier- und vielfach auslegungsfähigen meist pauschalen Gesundheitsfragen im Antragsprozess bei einem späteren Leistungsfall keine Leistung aufgrund der Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht zu erhalten
  • den breitflächig interpretierfähigen Kern-Leistungsbeschreibungen in den Allgemeinen Versicherungs-bedingungen (AVB) mit einer Fülle von unverbindlichen Formulierungen und unbestimmten Begriffen
  • dem fehlenden verbindlichen Katalog zu den vom Versicherten im Leistungsfall zu erbringenden Nachweisen
  • der unternehmensindividuellen Auslegung und Anwendung der AVB durch die Versicherer im BU-Leistungsfall

Im Rahmen der seit 2016 bestehenden Qualitäts- und Transparenzinitiative zur Berufsunfähigkeitsversicherung (QTI) hat die in den Jahren 2016 und 2018 von der PremiumCircle Deutschland GmbH durchgeführte Erhebung zum unternehmensindividuellen Leistungsverhalten in der Berufsunfähigkeitsversicherung deutlich aufgezeigt, dass es bei im Kern weitgehend gleichen (unverbindlichen) AVB zu signifikanten Abweichungen im Leistungsverhalten der einzelnen Versicherer kommt.

Weitere Fachinformationen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Inhalt und Ziel QTI 2021

COVID-19 stellt Verbraucher, Vermittler und Versicherungsunternehmen seit der Jahreswende 2019/2020 vor völlig neue Herausforderungen.

Wir haben daher im Rahmen unserer Qualitäts- und Transparenzinitiative zur Berufsunfähigkeitsversicherung (QTI) aktuell einen Erhebungsbogen erarbeitet, der 59 Berufsunfähigkeitsversicherern und dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am 03.03.2021 zur Beantwortung vorlegt wurde.

Die Auswertung soll Verbrauchern, Vermittlern und Versicherungsunternehmen jenseits der verbandsseitigen Informationen des GDV einen Überblick über die differenzierten Auswirkungen von COVID-19 auf die Antrags- und Leistungsprozesse der Berufsunfähigkeitsversicherung bereitstellen.

Vorgehensweise und Bewertungslogik

59 Versicherungsunternehmen (VU) wurde am 03.03.2021 ein Erhebungsbogen zur Antrags- und Leistungsprüfung mit 97 detaillierten Fragen zur Beantwortung zugestellt.

Zwei Wochen nach Zustellung des Erhebungsbogens wurde eine Erinnerung per E-Mail an die bis zu diesem Zeitpunkt nicht teilnehmenden VU versendet. Bis zum 23.04.2021 eingehende Antworten der VU wurden in der Auswertung und Bewertung berücksichtigt.

Die gelieferten Antworten umfassten zunächst die Beantwortung vorgegebener Antwortmöglichkeiten im Single Choice- und Multiple Choice-Verfahren sowie Antworten in dafür vorgesehenen Textfeldern. Darüber hinaus haben alle Teilnehmer zusätzliche Hinweise und Anmerkungen geliefert, die die zuvor beantworteten Fragen teilweise einschränkten, relativierten oder negierten.

Bei Unklarheiten oder Widersprüchlichkeiten aller jeweils zu einer Frage gelieferten Informationen wurde die korrelierte Antwort im Zweifel negativ bewertet.

Die Abbildung erfolgte im Teilfazit zusammengefasst unterteilt in positiv, neutral oder negativ.

Im Gesamtfazit wurden Auffälligkeiten aller Teilfazits zusammengefasst und unterteilt nach Antrags- und Leistungsprüfung in einer Übersicht aufgeführt.

Aufbau Erhebungsbogen

Der Erhebungsbogen besteht aus zwei Fragenblöcken zu den Themen Antragsprüfung und Leistungsprüfung. Beide Fragenblöcke haben jeweils zwei Teile, die sich in Form und Zielsetzung der Fragen unterscheiden. Insgesamt ergeben sich hierbei 97 detaillierte Fragen.

Fragenblock Antragsprüfung, Teil 1: Details, die vor Beginn der Corona-Pandemie nicht in Gesundheitsfragen abgefragt wurden, durch COVID-19 jedoch an Relevanz gewonnen haben und aktuell möglicherweise Bestandteil des Gesundheitsfragebogens sein könnten.

Fragenblock Antragsprüfung, Teil 2: Details, die bereits vor Beginn der Corona-Pandemie in den Gesundheitsfragen abgefragt wurden, deren Relevanz sich durch COVID-19 jedoch verändert haben könnte. Hier wurde jeweils die Bewertung vor und nach Beginn der Pandemie abgefragt, um mögliche Änderungen aufzuzeigen.

Fragenblock Leistungsprüfung, Teil 1: Fragen zu Faktoren und Auswirkungen, die sich aus den veränderten Rahmenbedingungen und Maßnahmen in der Corona-Pandemie ergeben und deshalb Einfluss auf die Leistungsprüfung haben könnten.

Fragenblock Leistungsprüfung, Teil 2: Abfrage der BU-Leistungsstatisik des jeweiligen Unternehmens.

 

  1. Durch COVID-19 hinzukommende mögliche anzeigepflichtige Angaben (inklusive Quellenangabe Antrag) und deren Auswirkungen auf die Antragsprüfung

1.1   SARS-CoV-2

1.1.1   Testarten

1.1.2   Virusvarianten

1.1.3   Mögliche Langzeitfolgen

1.2   Reisen in Risiko- und Mutationsgebiete

1.3   Quarantäneformen

1.4   Impfstoffe

 

  1. Auswirkungen anzeigepflichtiger Angaben auf die Antragsprüfung vor Beginn der Corona-Pandemie und zum jetzigen Zeitpunkt (Stand 01.03.2021)

2.1   Risikofaktoren

2.2   Vorerkrankungen

2.3   Medikamente

 

  1. Durch COVID-19 veränderte Rahmenbedingungen und deren Auswirkung auf die Leistungsprüfung (inklusive AVB-Quellenangabe möglicher Ablehnungsgründe)

3.1    Maßnahmen der COVID-19-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung

3.2    Ärztlich angeratene Maßnahmen

3.3    Impfung

3.4    Reisetätigkeit

3.5    Homeoffice

3.6    Kurzarbeit

3.7    Betriebsschließung bei Angestellten

3.8    Betriebsschließung bei Selbständigen

3.9    Psychische Erkrankungen

3.10  Physische Folgen

 

  1. Auswirkungen von COVID-19 auf Ihre unternehmensindividuelle BU-Leistungsstatistik

4.1    Aktuelle BU-Leistungsstatistik

Datenbereitstellung der Versicherer

11,9 % (7 VU) haben Daten geliefert: Alte Leipziger, Barmenia, Canada Life, HDI, LV1871, Sparkassen Versicherung, Volkswohl Bund.

25,4 % (15 VU) haben teilweise begründet keine Daten geliefert.

62,7 % (37 VU) haben auch nach einmaliger Erinnerung nicht reagiert.

 

 

Vorgehen und Ergebnisauswertung

 

Gesamtfazit QTI 2021

Trotz einzelner positiver Ausnahmen zeigt das Gesamtergebnis erneut eine erhebliche Varianz der Versicherer im Umgang mit den durch COVID-19 neu hinzugekommenen Herausforderungen.

Entgegen der irreführenden Aussage auf der Homepage des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Zitat: „Sowohl beim Abschluss von Berufsunfähigkeitsversicherungen als auch bei der Leistungsprüfung gelten für Kunden mit einer Corona-Infektion die ganz normalen Regeln.“ zeigt sich in der vorliegenden Studie ein teilweise deutlich abweichendes Ergebnis, das sowohl den Antrags- als auch den Leistungsprozess betrifft.

Im Antragsprozess gibt es aktuell keine spezifizierten, verständlichen und transparenten Gesundheitsfragen im Zusammenhang mit COVID-19. Im Gegenteil, die unternehmensindividuelle Auslegung, Einschätzung und Bewertung auf Basis der bereits vor der Pandemie vorhandenen pauschalen Gesundheitsfragen erhöht das Risiko einer vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung für Versicherungsinteressenten und Vermittler teilweise erheblich.

Im Leistungsfall sorgen die in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen unverändert etablierte Fülle von unverbindlichen Formulierungen und unbestimmten Begriffen dafür, dass es auch für die Auswirkungen von COVID-19 im BU-Leistungsprozess keine einheitlichen und verbindlichen Leitplanken gibt. Das Ergebnis der Leistungsprüfung ist weiterhin eine unternehmensindividuelle und einzelfallabhängige Blackbox. Das Risiko einer Leistungsablehnung ist durch COVID-19 teilweise deutlich erhöht.

Im Gesamtergebnis steht fest, dass es für Versicherte – auch im Hinblick auf COVID-19 – in der Berufsunfähigkeits-versicherung aktuell so gut wie keine verbindliche Vertragsgrundlage gibt. Die Versicherer haben die Chance und Verpflichtung zugleich, zeitnah für Transparenz und Klarheit zu sorgen.

Der erneut hohe Anteil an Versicherern, die weder in der aktuellen Erhebung, noch in ihren Gesundheitsfragen und Versicherungsbedingungen Transparenz leisten wollten, lässt den Schluss zu, dass der Großteil der Branche eher ein Interesse an einem einseitig steuerbaren Geschäftsmodell hat, anstatt mit verständlichen und klaren Produkten die Attraktivität für den Versicherungsnehmer zu erhöhen.

Pauschale Vorwürfe des ZfF e.V. zur BU-Studie QTI 2021 im Zusammenhang mit der Veröffentlichung in der Welt am Sonntag vom 02.05.2021 – Klarstellung der PremiumCircle Deutschland GmbH

Am 2. Mai 2021 hat die „Welt am Sonntag“ sowohl in beiden Printausgaben als auch in der Onlineausgabe einen Artikel zu unserer 78-seitigen Studie „Auswirkungen von COVID-19 auf die Antrags- und Leistungsprozesse der Berufsunfähigkeitsversicherung“ veröffentlicht.

Der Verein „Zukunft für Finanzberatung e.V.“ hat eine öffentliche Stellungnahme mit dem Titel

„Klarstellung zu Falschaussagen über das Absicherungsniveau von Berufsunfähigkeitsversicherungen – Aktuelle Studie von PremiumCircle zieht nach Auffassung des ZfF e.V. augenscheinlich populistische Schlüsse aus unzureichender Datenlage“

an Versicherer und Vermittler versandt.

Und das, ohne die komplette Studie detailliert gelesen zu haben.

Es ist überraschend, dass gerade ein Verein, der sich als kommunikatives Sprachrohr aller beratenden Berufe in der Finanz- und Versicherungswirtschaft sieht, die mangelnde Bereitschaft eines Großteils der Versicherer zur Transparenz, undifferenziert unterstützt.

Das Interesse von Versicherungsvermittlern sollte doch grundsätzlich darin liegen, ihren Kunden verbindliche Aussagen liefern zu können.

Lesen Sie hierzu die komplette Stellungnahme der PremiumCircle Deutschland GmbH.

Bestellformular QTI 2021

Qualitäts- und Transparenzinitiative zur Berufsunfähigkeitsversicherung (QTI 2021)

Die von der PremiumCircle Deutschland GmbH im April 2021 erstellte Kurzstudie liefert einen Eindruck darüber, wie Versicherer die Corona-Pandemie und die Auswirkungen im Zusammenhang mit COVID-19 auf die Berufsunfähigkeitsversicherung berücksichtigen. Der hierfür entwickelte Erhebungsbogen umfasste die Themenblöcke Antrags- und Leistungsprüfung.

Ziel der Studie war es, Auswirkungen von COVID-19 für den Kunden – sowohl beim Neuabschluss als auch im Leistungsfall – anhand von 25 Fragen und insgesamt 97 Detaildifferenzierungen zu eruieren. Die Studie umfasst auf 78 Seiten die detailgenaue quellenbasierte Zuordnung und Bewertung aller Antworten der teilnehmenden 7 Versicherer.

In 8 Teilfazits werden die jeweiligen Antworten komprimiert dargestellt und bewertet. Alle Antworten und Ergebnisse werden anonymisiert dargestellt. Das Gesamtfazit fasst die relevanten Ergebnisse aus den Teilfazits zusammen und kommentiert diese mit Hinblick auf mögliche Auswirkungen aus Kundensicht.

78 Seiten im gebundenen DIN A4-Papierformat.

 

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QTI 2021

Umfangreiche 78-seitige Studie über die differenzierten Auswirkungen im Zusammen­­hang mit COVID-19 auf die BU-Versicherung für Verbraucher, Vermittler und Versicherungs­unternehmen.

Antworten und Hinweise

Anonymisierte Darstellung aller Antworten und zusätzlichen schriftlichen Hinweisen der teilnehmenden Versicherer zu 25 Fragen mit insgesamt 97 Detaildifferenzierungen (Antrags- und Leistungsprüfung).

Datenauswertung und Bewertung

Auswertung und Bewertung aller Daten in anonymisierter Form in 8 Teilfazits, jeweils eine zusammenfassende Bewertung der Antrags- und Leistungsprüfung sowie ein Gesamtfazit der Studie.